Union Investment Committee setzt weiter auf Chancen-Assets

Konstruktiver Ausblick für 2022

  • Wirtschaftliche Erholung, hohe Gewinndynamik und nachlassende Pandemiebedeutung 2022 erwartet
  • Virus-Variante „Omikron“: Temporäre Verschärfung der Corona-Lage, aber keine kompletten Lockdowns
  • Geldpolitische Unterstützung geht marktschonend zurück
  • UIC bekräftigt moderat-offensiv Risikoausrichtung (RoRo-Meter auf Stufe 4)
  • Übergewicht in Industriemetallen beschlossen
  • UIC-Portfolio setzt auf Aktien und Rohstoffe, „sichere Häfen“ weiter untergewichtet

„RoRo“-Meter 4 bestätigt, Risikoausrichtung bleibt moderat-offensiv

RoRo-Meter bleibt auf 4

Auf seiner letzten turnusmäßigen Sitzung 2021 hat das Union Investment Committee (UIC) seine moderat-offensive Risikoausrichtung (RoRo-Meter 4) bekräftigt. Am Musterportfolio wurden dabei lediglich kleinere Arrondierungen vorgenommen. So wurde vor dem Hintergrund verbesserter Fundamentaldaten das Engagement in Industriemetallen leicht übergewichtet. Im Monatsverlauf hatte das UIC bereits die bestehende Untergewichtung in Staatsanleihen der Euro-Kernländer ausgebaut. Damit setzt das Gremium unverändert auf chancenreiche Anlagen wie Aktien und Rohstoffe, während die defensiven Anlagesegmente eher zurückhaltend allokiert sind.

Dies spiegelt den konstruktiven Blick des UIC auf das bevorstehende neue Anlagejahr wider. Die wirtschaftliche Erholung dürfte sich demnach weltweit fortsetzen, wenn auch mit geringerer Dynamik als 2021 und nicht in allen Regionen mit gleichem Tempo. Bei den Unternehmen bleibt die Gewinndynamik hoch. Zudem sollten fortschreitende Impfkampagnen, wirksame Medikamente und gestiegene Immunisierungsraten im Jahresverlauf den Übergang von der pandemischen in die endemische Phase der Corona-Krise einleiten. Für die Kapitalmärkte sollte also Corona an Bedeutung verlieren, auch wenn die bevorstehenden Wintermonate Wirtschaft und Gesellschaft auf der Nordhalbkugel vor eine erneute Belastungsprobe stellen werden. Nach Einschätzung des UIC wirken diese Effekte mittelfristig stärker als die bereits einsetzende Wende im geldpolitischen Zyklus und sollten die Märkte unterstützen.

Voraussetzung für diesen konstruktiven Ausblick ist das Ausbleiben geopolitischer Krisen (etwa in Osteuropa) sowie eine weitere Verbesserung bei der Pandemielage. Das UIC geht zum aktuellen Zeitpunkt davon aus, dass von beiden Faktoren keine nachhaltige Störung des Kapitalmarktumfelds ausgehen wird, beobachtet die Situation aber engmaschig und bereitet sich entsprechend vor. Das gilt beispielsweise auch für das Auftreten der neuen Virus-Mutation „Omikron“. Derzeit liegen keine belastbaren Indizien dafür vor, dass Omikron als „Escape-Variante“ den Schutz der Impfungen umgehen könnte. Hinzu kommt, dass die Impfstoffhersteller ihre rasche Reaktionsfähigkeit unterstrichen haben. Daher dürfte die Variante zwar die Lage in den kommenden Wintermonaten weiter verschärfen und auch zu vorübergehend wieder strikteren Schutzmaßnahmen führen. Allerdings erwartet das UIC keine kompletten, flächendeckenden Lockdowns mehr und rechnet auch nicht damit, dass der Übergang von der Pandemie zur Endemie grundsätzlich verstellt wird.

Konjunktur, Wachstum, Inflation

Das weltwirtschaftliche Umfeld hat sich zuletzt stabilisiert, wie die hausinternen Frühindikatoren von Union Investment anzeigen. In den USA hat zudem die Erholungsdynamik am Arbeitsmarkt seit Oktober spürbar zugenommen. Wichtige Beschäftigungsmaße haben sich klar verbessert. Darüber hinaus ist die Arbeitslosenquote deutlich auf zuletzt 4,2 Prozent gesunken und dürfte sich im Verlaufe von 2022 dem Vorkrisenniveau von 3,5 Prozent weiter annähern. Das Ziel der Vollbeschäftigung wird somit rascher in greifbare Nähe rücken als bislang von den Volkswirten von Union Investment erwartet.

In Europa haben sich zwar einige Frühindikatoren (wie die Einkaufsmanagerindizes oder der ifo-Index für Deutschland) verschlechtert. Hierin spiegeln sich die derzeitigen Beeinträchtigungen durch die Pandemie vor allem in der Beurteilung der aktuellen Lage. Die Erwartungskomponenten haben sich hingegen relativ stabil gezeigt, was auf eine robuste Geschäftssituation bei den Unternehmen (vor allem im Industriebreich) schließen lässt. Auch in China war eine Stabilisierung der Makrodaten festzustellen, wenn auch auf schwachen Niveaus. Regierung und Zentralbank haben erste Schritte unternommen, um die Wirtschaft zu stützen. Das Risiko einer erneuten Verschlechterung hat sich dadurch verringert. Allerdings gehen die Volkswirte von Union Investment davon aus, dass im ersten Quartal 2022 größere Hilfen notwendig sind – und dann auch von den Autoritäten beschlossen werden.

Die Inflationsraten bleiben derweil in nahezu allen Ländern hoch. Die Experten von Union Investment rechnen nach wie vor mit einem deutlichen Rückgang im Jahresverlauf 2022, bedingt durch auslaufende Basiseffekte, Entspannungen bei Lieferengpässen und eine abnehmende Konjunkturdynamik. Insbesondere sind Zweitrunden-Effekte, ein wichtiger Treiber für eine anhaltend hohe Teuerung, bislang nicht in der Breite auszumachen. Damit dürften die Jahresraten im Durchschnitt 2022 zwar höher als erwartet ausfallen, was aber vor allem auf die hohe Dynamik um den bevorstehenden Jahreswechsel zurückzuführen ist. Bis Dezember 2022 rechnen die Volkswirte von Union Investment mit Inflationsraten im Zielkorridor der Notenbanken.

Geldpolitik: Notenbanken fahren die Unterstützungen zurück

Der Trend zur Reduktion der geldpolitischen Hilfen hat sich weltweit verfestigt. Rund um den Globus fahren Zentralbanken ihre Unterstützungen zurück. Besonders entschlossen agieren die „kleineren“ Notenbanken. Chile hat z.B. im Dezember den Leitzins um 125 Basispunkte erhöht. Auch die ungarische Zentralbank hat den Leitzins um 30 Basispunkte auf nun 2,4 Prozent angehoben, kauft aber gleichzeitig am langen Ende der Zinsstrukturkurve weiter Anleihen an.

Aber die Straffungen beschränken sich mittlerweile nicht mehr auf die „zweite Reihe“. So hat die Bank of England (BoE) angesichts hoher Inflationsraten als erste der G7-Notenbanken ebenfalls den Leitzins erhöht. Der Referenzsatz im Vereinigten Königreich steigt von 0,1 auf 0,25 Prozent. In den USA fährt derweil die Federal Reserve (Fed) das Tempo ihrer Anleiheankäufe schneller als ursprünglich geplant zurück. Bereits im März 2022 sollen die Nettoanleihekäufe enden, womit der Boden für eine erste Zinserhöhung zur Jahresmitte bereitet wäre. Die Volkswirte von Union Investment rechnen mittlerweile mit einem ersten Zinsschritt im Juni, dem bis zum Jahresende noch zwei weitere folgen dürften.

In der Eurozone sieht sich die Europäische Zentralbank (EZB) einem weniger dynamischen Inflationsbild gegenüber als ihre Pendants in Washington oder London. Daher verwundert es nicht, dass man sich in Frankfurt mehr Zeit mit der Rückführung der Hilfen lässt. Gleichwohl werden auch hier die Anleihekäufe unter dem Pandemie-Notfallprogramm PEPP mit Wirkung zum März 2022 eingestellt. Gleichzeitig bleibt die EZB erwartungsgemäß aber am Markt und wird weiter Anleihen erwerben. Diese Käufe werden entweder über ein schon älteres Kaufprogramm (APP) oder aber über die Reinvestition von Fälligkeiten stattfinden. Bei der zweiten Maßnahme hat die EZB zudem per Dezember-Beschluss ihre Flexibilität erhöht, was insbesondere griechischen Anleihen (die via APP nicht erworben werden dürfen) zugutekommen sollte. Zinserhöhungen bleiben in der Eurozone aber vor Mitte 2024 wenig wahrscheinlich.

Fed wird früher mit den Zinsanhebungen beginnen

  • Fed-Mitglieder werden hawkisher und haben ihre Leitzinserwartung stärker in das Jahr 2023 vorgezogen

    Fed wird früher mit den Zinsanhebungen beginnen
    Quelle: Federal Reserve, Union Investment; Stand: 17. Dezember 2021.

Positionierung innerhalb der Asset-Klassen

Renten: Renditen und Risikoaufschläge wieder am Sinken

Der Tag des letzten UIC-Treffens markierte den zwischenzeitlichen Hochpunkt der Renditen 10-jähriger Bundes- und US-Staatsanleihen. Mit einem deutlichen Rückgang bis Anfang Dezember (10Y-Bund: -17 Basispunkte, 10Y-UST: -32 Basispunkte) setzten Bundesanleihen die generelle Abwärtsbewegung in den Renditen fort und US-Staatsanleihen verließen den Trend steigender Renditen. Die jüngsten Notenbanksitzungen und -entscheidungen wurden von den Rentenmärkten ohne große Bewegungen aufgenommen. Für 2022 erwarten die Experten von Union Investment unverändert leicht steigende Renditen, sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks. Der Trend zu höheren Risikoaufschlägen (Spreads) kehrte sich ebenfalls um. Sowohl in den Unternehmensanleihesegmenten (Investment Grade und High Yield) als auch bei Peripherie- und EM-Staatsanleihen wurde seit Anfang Dezember etwa die Hälfte des Spread-Anstiegs vom Tiefpunkt im November wieder abgegeben. Unverändert sehen die Experten von Union Investment das größte Potenzial für sinkende Spreads auf den oberen Stufen der Risikoleiter, suchen aktuell aber die Chancen nicht bei Renten, sondern in anderen Anlageklassen.

Aktien: Omikron belastet Aktienmärkte in den Industrieländen nur kurz

Die robuste Verfassung der Aktienmärkte in den Industrieländern zeigte sich auch in den letzten Wochen. Zu den ohnehin bestehenden Herausforderungen (schwache Wachstumsdaten, hohe Inflation, Produktionsausfälle wegen verspannter Lieferketten, die Corona-Welle in Europa) gesellte sich noch die neue Omikron-Variante des Corona-Virus. Nach einem kurzen Rücksetzer erholten sich die Märkte wieder, in den USA stehen sie bereits wieder nahe der im November verzeichneten Allzeithochs. Mit der jüngsten Entscheidung der Fed ist ein Unsicherheitsfaktor gewichen. Die Erwartung, dass sich die genannten Belastungen in den kommenden Monaten bzw. Quartalen sukzessive wieder auflösen und damit die Gewinne der Unternehmen auch 2022 weiter steigen können, lassen weiter Gelder in die Märkte fließen. Im Umfeld deutlich negativer Realzinsen bleiben renditestarke Anlagen gesucht. Rücksetzer werden daher schnell als Kaufgelegenheiten wahrgenommen. Die Aktienbörsen in den Schwellenländern gaben hingegen deutlicher nach und verzeichneten neue Jahrestiefs. Neben Omikron war dafür vor allem die unverändert schwache Wachstumsdynamik in China verantwortlich. Das UIC hat dennoch die Positionen im Aktienbereich beibehalten.

Rohstoffe: Erhöhung der Position in Industriemetallen

Omikron hat auch an den Rohstoffmärkten für einen Rücksetzer gesorgt. Die neuerlichen Einschränkungen des globalen Flugverkehrs wirkten sich vor allem auf den Energiesektor aus. Trotz der befürchteten Nachfrageausfälle setzte die OPEC+ ihre geplante Produktionsausweitung auch für den Dezember fort (monatliches Angebotsplus von 400.000 Barrel pro Tag). Weitgehend ausgenommen von dieser Bewegung war der europäische Gasmarkt. Durch das Säbelrasseln zwischen der Ukraine und Russland stieg der Gaspreis in Europa auf neue Allzeithochs. Das UIC nutzt die Korrektur bei Industriemetallen zu einer leichten Erhöhung der Position. Die Terminkurve ist für Anleger attraktiv (Backwardation), die Lagerbestände sind niedrig und in China dürfte perspektivisch der Kreditimpuls sich verbessern. Darüber hinaus profitieren Industriemetalle auf mittlere Sicht vom De-Karbonisierungstrend. Die Edelmetalle litten zuletzt unter den steigenden US-Realrenditen, sind fundamental u.E. aber unverändert der attraktivste Rohstoffsektor.

Währungen: Wenig Impulse

Der schnellere Ausstieg der Fed aus der ultralockeren Geldpolitik im Vergleich zur EZB wurde am Währungsmarkt im November eingepreist. Seither bewegt sich der US-Dollar zum Euro weitgehend seitwärts. Auch die Entscheidungen der Fed und der EZB in dieser konnten dem Währungspaar weder in die eine noch in die andere Richtung Impulse verleihen. Auch gegenüber den anderen wichtigen Währungen, wie bspw. dem Pfund Sterling oder dem Japanischen Yen, bewegte sich der Euro jüngst in einer engen Bandbreite, allerdings mit leichter Tendenz zur Aufwertung. Perspektivisch dürfte die Gemeinschaftswährung in der Breite wieder an Stärke gewinnen, da sich die Treiber für die Währungsmärkte im Jahr 2022 ändern werden. So sollte unter anderem die Nachfrage nach Next Generation EU-Anleihen den Euro stärken und der US-Dollar dürfte durch ein stärkeres Augenmerk der Kapitalmärkte auf das US-Fiskaldefizit deutlich an Unterstützung einbüßen. Dies ist aber für den Moment noch kein Grund für die Eröffnung einer Position im Währungsbereich.

Wandelanleihen: Zuletzt schwächer

Die letzten Wochen waren für Wandelanleihen im Zuge der Aktienmarktvolatilität keine einfachen Tage. Insbesondere Wandelanleihen aus den USA verloren deutlich, während japanische Wandelanleihen einigermaßen stabil waren. Asiatische Wandelanleihen insbesondere aus dem Immobiliensektor standen besonders unter Druck. Durch den Rutsch sind die Aktienmarktsensitivitäten auf knapp 47 Prozent gefallen und die Bewertungen weiter gesunken. Es gab weiterhin Neuemissionen, insbesondere aus den USA.

 

Stand aller Informationen und Darstellungen:
17. Dezember 2021, soweit nicht anders angegeben.

Unsere Positionierung

Unsere Positionierung
Stand: 11. Januar 2022.

Positionsänderung vom 11. Januar 2022

Das Union Investment Committee (UIC) hat heute eine Positionsänderung am Musterportfolio vorgenommen. Die Positionen in Staatsanleihen aus den Kernländern des Euroraums und den USA wurden jeweils um 2,5 Prozentpunkte erhöht. Die dafür notwendigen Mittel haben wir dem Absolute Return-Block (-3,0 Prozentpunkte) und der Kasse (-2,0 Prozentpunkte) entnommen.

Die generelle Risikoausrichtung ändert sich dadurch nicht und verbleibt auf moderat-offensiv (RoRo-Meter Stufe 4).

Seit den wegweisenden Sitzungen der Notenbanken im Dezember kam es an den Staatsanleihemärkten zu einem deutlichen Renditeanstieg. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten zuletzt 30 Basispunkte höher bei -0,05 Prozent, auf dem höchsten Stand seit Mai 2019. In den aktuellen Kursen ist laut Meinung des UICs bereits viel eingepreist. Zwar fielen die jüngsten Inflationsdaten noch einmal leicht höher aus, der Hochpunkt sollte hier jedoch erreicht sein. Auch EZB Chef-Volkswirt Philip Lane betonte in dieser Woche, dass vielmehr die mittelfristigen Inflationserwartungen entscheidend seien und er aktuell keinen Lohndruck im Euroraum beobachtet. Parallel dazu haben sich die langfristigen Inflationserwartungen im Euroraum seit Jahresanfang etwas zurückgebildet. Aus den letzten Umfragen unter den Einkaufsmanagern war zudem abzulesen, dass sich die Probleme in den Lieferketten etwas aufzulösen scheinen. Kurzfristig sieht das UIC daher ein begrenztes Potenzial für weiter steigende Renditen und empfiehlt bei Staatsanleihen der EWU-Kernländer Gewinne mitzunehmen und das Untergewicht um +2,5 Prozentpunkte zu reduzieren.

In den USA war in den letzten Wochen ein ebenso starker Renditeanstieg zu beobachten. Inzwischen gehen die Marktteilnehmer davon aus, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) schon in naher Zukunft einen recht steilen Zinspfad beschreiten wird. Die Wahrscheinlichkeit für einen ersten Zinsschritt im März liegt bei rund 90 Prozent. Zum Vergleich: Anfang Dezember ging man noch von Juni aus. Insgesamt sind für dieses Jahr vier Leitzinserhöhungen eingepreist. Darüber hinaus hat sich die Debatte um den Bilanzabbau (Quantitative Tightening) deutlich beschleunigt. Das Committee hält die Reaktion des Marktes für zu stark und nimmt daher bei US-Staatsanleihen ebenfalls Gewinne mit.

Neues von den Märkten: Januar

Neues von den Märkten: Januar

Konjunktur, Wachstum, Inflation und Geldpolitik – der Monatsbericht „Neues von den Märkten“ informiert Sie über aktuelle Entwicklungen und macht Sie mit unseren Einschätzungen vertraut. Erhalten Sie zudem einen umfangreichen Rück- und Ausblick auf relevante Asset-Klassen.
(Stand: 22. Dezember 2021)