Aktuelle Entwicklung und Ausblick zur Geldpolitik

Geldpolitik: Notenbanken fahren die Unterstützung zurück

Der Trend zur Reduktion der geldpolitischen Hilfen hat sich weltweit verfestigt. Rund um den Globus fahren Zentralbanken ihre Unterstützungsmaßnahmen zurück. Besonders entschlossen agieren die „kleineren“ Notenbanken. Chile hat zum Beispiel im Dezember den Leitzins um 125 Basispunkte erhöht. Auch die ungarische Zentralbank hat den Leitzins um 30 Basispunkte auf nun 2,4 Prozent angehoben, kauft aber gleichzeitig am langen Ende der Zinsstrukturkurve weiter Anleihen an.

Aber die Straffungen beschränken sich mittlerweile nicht mehr auf die „zweite Reihe“. Beispielsweise hat die Bank of England (BoE) angesichts hoher Inflationsraten als erste der G7-Notenbanken ebenfalls den Leitzins erhöht. Der Referenzsatz im Vereinigten Königreich steigt von 0,1 auf 0,25 Prozent. In den USA fährt derweil die Federal Reserve (Fed) das Tempo ihrer Anleiheankäufe schneller als ursprünglich geplant zurück. Bereits im März 2022 sollen die Nettoanleihekäufe enden, womit der Boden für eine erste Zinserhöhung zur Jahresmitte bereitet wäre. Wir rechnen mittlerweile mit einem ersten Zinsschritt im Juni, dem bis zum Jahresende noch zwei weitere folgen dürften.

In der Eurozone sieht sich die Europäische Zentralbank (EZB) einem weniger dynamischen Inflationsbild gegenüber als ihre Pendants in Washington oder London. Daher verwundert es nicht, dass man sich in Frankfurt mehr Zeit mit der Rückführung der Hilfen lässt. Gleichwohl werden auch hier die Anleihekäufe im Rahmen des Pandemie-Notfallprogramms PEPP mit Wirkung zum März 2022 eingestellt. Gleichzeitig bleibt die EZB – wie von uns erwartet – aber am Markt und wird weiter Anleihen erwerben. Diese Käufe werden entweder über ein schon älteres Kaufprogramm (APP) oder aber über die Reinvestition von Fälligkeiten stattfinden. In Hinsicht auf die zweite Maßnahme hat die EZB zudem per Dezember-Beschluss ihre Flexibilität erhöht. Zinserhöhungen
bleiben in der Eurozone aber vor 2024 wenig wahrscheinlich.

US-Notenbank erweitert Spielraum für möglichen Zinsschritt

Prognostizierte Käufe je Monat, in Milliarden US-Dollar

US-Notenbank erweitert Spielraum für möglichen Zinsschritt
Quelle: Union Investment. Stand: 17. Dezember 2021.

 

Stand aller Informationen und Darstellungen:
22. Dezember 2021, soweit nicht anders angegeben.